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Wie Musikindustrie Schwerverbrechnern indirekt hilft

Posted by admin on Feb 2, 2008 in Abmahnwahn, Alltäglicher Schwachsinn

Sicherlich erinnern sich noch viele Leute an die hirnverbrannte Diffamierungskampagne der deutschen Musikindustrie, indem sie, bar jeglicher juristischen Definition, Raubkopierer als "Verbrecher" dahinstellte. Was ein Verbrechen nach deutschem Recht genannt werden kann, ist sogar einem juristischen Laien klar. Ein Verbrechen ist z.B. Mord oder Landesverrat, aber bestimmt nicht das Kopieren von Dateien. Selbst das illegale Kopieren von Dateien, sei es Musik, Filme oder Software ist zwar strafbar und dagegen habe ich nichts einzuwenden, aber ein Verbrechen kann es nie und nimmer sein.

Wo würden wird denn enden, wenn schon die Unterhaltungsbranche sich das Recht nimmt, die Definition von so wichtigen Begriffen wie Verbrechen oder Straftat neu anzulegen?

Erinnert mich in einer perversen Art und Weise an Begriffe wie "War on Terror" und "Kreuzzug gegen Terror".

Und weitaus schlimmere Konsequenzen können (und ich bin mir fast sicher werden) wir tragen, wenn auf Grund der heutzutage überfluteten Staatsanwaltschaften, die Abarbeitung wirklich wichtiger und dem Allgemeinwohl dienlicher, echter Verbrecher-Fälle nicht zügig vonstatten geht, weil unsere Staatsanwälte nun einmal irgendwelche 16-jährige "Verbrecher" jagen müssen, nur weil diese ein paar (meinetwegen auch ein paar Hundert) mp3-Dateien heruntergeladen/hochgeladen haben.

Durchaus verstehe ich die Sorgen der Musikindustrie, auch wenn die medial hochgezüchtete Hysterie über die vermeintlichen Verluste angesichts des Kopier-Trends im Internet immer noch über keine stichhaltigen, wissenschaftlich belegten Beweise verfügt.

Aber, wie dem auch sei, Gesetz ist Gesetz und wenn jemand etwas Verbotenes tut (falls überhaupt Filesharing von Dateien an sich eine Straftat darstellt), so kann er/sie damit rechnen, dafür belangt zu werden.

Jedoch frage ich mich, ob es der Mehrheit der Bevölkerung angenehm wäre zu hören, dass auf Grund von Abertausenden "Anzeigen gegen Unbekannt" seitens der Musikindustrie unsere Staatsanwälte erst gar nicht mehr dazu kommen, echte Verbrecher wie Mörder, Kinderschänder, Totschläger und den ganzen Rest dorthin zu bringen, wo sie niemandem mehr gefährlich sein können?

Ganz polemisch ausgedrückt, was ist Ihnen lieber: Ein 16-jähriger, der z.B. 1000EURO wegen ein paar mp3-Dateien an irgendeinen Musikkonzern zahlen muss, oder ein verhafteter und verurteilter Kinderschänder mit einem One-Way-Ticket in Richtung JVA?

Macht es Sinn, wenn unsere demokratischen und dem Volke dienenden Institutionen missbraucht werden, dass eine an sich sehr sinnvolle und nötige rechtliche Möglichkeit der "Anzeige gegen Unbekannt" derart pervertiert wird, dass sog. "Abmahnanwälte" eine ganze Welle von solchen Anzeigen starten und damit Staatsanwälte zu nichts anderem als zu kleinen Gehilfen der Musikindustrie degradieren, da diese nun einmal vom Gesetze her verpflichtet sind, bei jeweiligen Providern nachzufragen, wem die eine oder die andere IP-Adresse zu dem und dem Zeitpunkt gehörte?

Macht es wirklich Sinn, dass ein Staatsanwalt sich um aberwitzige Anzahl von "Kopier-Verbrechen" kümmern muss, wohlwissend, dass die meisten dieser Fälle ohnehin als sog. "Bagatelldelikte" eingestellt sein werden?

Macht es sinn, dass unsere Staatsanwälte statt wirklicher Verbrecher Minderjährige jagen?

Und wieviele von uns wissen, dass ein typischer Einsatz bei der Beweissicherung (Hausdurchsuchung zum Zwecke der Sicherung eines Rechners z.B.) mehrere Hundert EURO kostet und aus der Tasche der Steuerzahler bezahlt wird und nicht von der Musikindustrie selbst?

Und dabei kommt es sehr oft vor, dass gar nichts gesichert werden kann, weil keine illegalen Inhalte gefunden wurden. Und trotzdem muss der Beamteneinsatz aus unseren Taschen bezahlt werden.

Wieviele von uns wissen, dass auch die jeweiligen Anfragen bei den Providern einzeln mindestens 30EURO kosten, auch vom Steuerzahler (d.h. von UNS) finanziert?

Was würden Sie lieber finanzieren: die Wohnung eines Kinderschänders zu durchsuchen und ihn zu verhaften oder irgendeinen Fritzi Müller wegen einigen mp3-Dateien an irgendeinen Abmahnanwalt auszuliefern, der ohnehin nicht an einem Zivilprozess interessiert ist, sondern sofort einen sog. "Vergleich" anbietet. D.h., Fritzi Müller wird "freundlicherweise" angeboten, ein paar Hundert/Tausend EURO zu zahlen, um somit dem drohenden Ziviliprozess zu entgehen. Natürlich inklusive einer unterschriebenen Unterlassungserklärung seitens Fritzi Müller, der damit faktisch im Voraus zugibt, doch ein "Kopier-Verbrechen" begangen zu haben.

Nun, um ehrlich zu sein, weder können Sie im Falle einer echten Situation wählen, was Sie tun würden, denn Sie werden nur alle paar Jahre gefragt (am jeweiligen Wahlsonntag), wie Ihre momentane Meinung ausschaut, noch können Sie die ganze Abmahnwelle stoppen.

Unsere aktuellen Gesetze werden von verschiedensten Gerichten unterschiedlich ausgelegt, so dass die trübe Situation für die Musikindustrie und die Abmahnanwälte mehr als ideal ist. Einfach reihenweise Abmahnungen drucken und tausendfach verschicken.

Wen interessieren schon die ganzen Mörder, Kinderschänder, Produzenten von Kinderpornographie, Leute die ihre Kinder verhungern lassen etc.?

Ist doch alles "Kolateralschaden", denn der Musikindustrie geht es schlecht und die gilt es zu retten…vor Fritzi Müller z.B.

Mit unserem Geld natürlich.

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